

Tiere machen es ständig und erwarten es von ihrem Gegenüber / Frauchen / Herrchen:
Wenn sie Stärke zeigen wollen, machen sie sich groß. Ein Schimpanse trommelt sich auf die Brust, ein Pfau stellt sein Rad auf, eine Katze plustert sich auf.
Die Botschaft ist klar: „Ich bin stark.“
Auch wir Menschen kennen dieses Verhalten. Man sieht es zum Beispiel bei manchen power-posenden Autofahrer*innen.
Hier wird es interessant:
Unsere Körperhaltung beeinflusst, wie wir uns fühlen.
Die Idee der Power-Pose:
Unter „Power-Posen“ versteht man offene, aufrechte Körperhaltungen:
Schultern zurück,
Brust offen,
Kopf aufrecht.
Der Körper nimmt Raum ein.
Das Gegenteil ist die typische Unsicherheitshaltung:
Schultern nach vorne, Blick nach unten, der Körper macht sich klein.
2010 sorgte eine Studie für großes Aufsehen. Die Forschenden ließen Menschen zwei Minuten lang solche Körperhaltungen einnehmen. Danach fühlten sich die Teilnehmer selbstbewusster, nahmen mehr Risiken in Kauf und ihre Hormonwerte schienen sich zu verändern.
Die Botschaft verbreitete sich schnell:
Zwei Minuten richtig stehen – und du wirst mutiger.
Diese Ergebnisse konnten in Folgestudien nicht wiederholt werden.
Die spektakulären Effekte der ersten Untersuchung ließen sich nicht bestätigen. Weder Testosteron noch Stresshormone veränderten sich zuverlässig. Auch beim Verhalten fanden viele Forschende keinen klaren Effekt.
Was sich jedoch immer wieder zeigte:
Menschen berichten, dass sie sich selbstbewusster fühlen, wenn sie eine aufrechte, offene Haltung einnehmen.
Große Übersichtsanalysen, in denen viele Studien zusammen ausgewertet wurden, kommen heute zu einem nüchternen Ergebnis:
Eine aufrechte Haltung kann das subjektive Gefühl von Selbstvertrauen leicht erhöhen.
Biologische Effekte auf Hormone sind nicht belegt.
Ungünstig scheint eine zusammengesunkene Haltung zu sein.
Zusammengefasst: die berühmte „Power-Pose“ ist ein "Selbst-Zaubertrick".
Warum ist das gerade für Frauen interessant?
Viele Mädchen lernen früh, sich eher klein zu machen: nicht zu laut, nicht zu dominant, nicht zu viel Raum einzunehmen.
Das spiegelt sich auch in der Körpersprache. Frauen sitzen häufiger zusammengesunken oder nehmen weniger Platz ein.
Umso wichtiger ist die einfache Erinnerung:
Schultern zurück. Kopf hoch. Raum einnehmen.
Das beeinflusst sofort unsere Körperhaltung, unser Auftreten und unser Selbstgefühl.
Fazit:
Eine aufrechte Haltung hilft, sich ein sicherer zu fühlen und sicherer zu wirken.
Und genau das ist der erste Schritt zu einem selbstbewussten Auftreten.
Literatur:
Carney, D. R., Cuddy, A. J. C., & Yap, A. J. (2010). Power posing: Brief nonverbal displays affect neuroendocrine levels and risk tolerance. Psychological Science.
Ranehill, E., Dreber, A., Johannesson, M., et al. (2015). Assessing the robustness of power posing: No effect on hormones and risk tolerance. Psychological Science.
Körner, R., Röseler, L., Schütz, A., & Bushman, B. (2022). Dominance and prestige: Meta-analytic review of experimentally induced body position effects.
Gronau, Q. F., Van Erp, S., Heck, D. W., et al. (2017). A Bayesian model-averaged meta-analysis of power pose effects on felt power.
Körner, R., Petersen, L., & Schütz, A. (2021). Do expansive or contractive body postures affect feelings of self-worth?Comprehensive Results in Social Psychology.

Maria Wingfield
Bildungswissenschaftlerin, Dozentin, Sportlehrerin



Maria Wingfield
Spielbergstraße 6
72108 Rottenburg a. N.
info@claravia.de
+49 160 93 26 27 62
Kurzlinks
Newsletter
Jetzt für monatliche Updates abonnieren.
Erstellt mit ©systeme.io